
Nie
zuvor in der bisherigen Geschichte der Trips-Fahrten ergaben sich im
Vorfeld für das Organisationsteam ähnlich große Schwierigkeiten wie zu
ihrer zwanzigsten Auflage. Sie endeten keineswegs mit dem am Anfang März
von Thomas Bellefontaine ausgesprochenen Angebots, Schloss Loersfeld und
seinen weitläufigen Park für die Ausrichtung der Veranstaltung zur
Verfügung zu stellen, um damit die Fortführung der traditionellen Fahrt
zu gewährleisten. Darauf galt es dann, Parkflächen für die teilnehmenden
Fahrzeuge festzulegen.
Doch was zunächst
schockierend wirkte, sollte sich bald als heilsamer Schrumpfungsprozess
erweisen, da statt der bisherigen 180 Startplätze lediglich etwa 60
realisiert werden konnten. So mussten Organisation und Finanzierung neu
gestaltet und der vorhandenen Umgebung angepasst werden. Dies gelang und
das gesamte Team sah dem Ereignis mit großer Spannung entgegen. Dies
steigerte sich noch, als in der Woche vor der Veranstaltung heftige
Regenfälle niedergingen und für den Sonntag nichts Gutes ahnen ließen.
Am Sonntag
allerdings leuchtete schon bei den Vorbereitungen in der Frühe die Sonne
aus tiefblauem Himmel, und die anrollenden Fahrzeuge strahlten mit ihren
Besatzungen um die Wette. Karin und Horst Musial, mit ihrem "Finchen"
aus Bavois am Genfer See angereist, sprachen dann auch aus, was durchaus
nach zu vollziehen wäre: "Bei dem lausigen Anreisewetter haben wir uns
ernsthaft gefragt, welchen Sinn es wohl macht so weit zu reisen, um an
einer Ausfahrt mit historischen Fahrzeugen teilzunehmen!"
Die Beiden müssen
das Gedankenspiel nicht ernsthaft betrieben haben, denn sie sprachen
voller Begeisterung über die Freude, die sie an diesem Tag empfunden
hatten. Zunächst einmal erfreuten sich alle Angereisten an dem
großartigen Ambiente gebildet durch Schloss und Nebengebäude in einem
gepflegten Landschaftspark, so dass selbst die regionale Presse ihre
Berichte mit z.B. folgenden Überschriften versah: "Traumhaftes Ambiente
am Schloss" oder "Jetzt stimmt auch die Kulisse".
Darüber hinaus
zeigten sich die Teilnehmer erfreut über das angebotene Essen und die
gute Organisation. Diese orientierte sich nicht allein an den örtlichen
Gegebenheiten, sondern hielt auch an der regional-historisch betonten
Thematik und an den altfahrzeugorientierten Prüfungen fest.
Gemäß dem Thema
"20. Trips-Fahrt – ein Jubiläum" leitete der Streckenverlauf Fahrzeuge
und Besatzungen zu kulturhistorischen Besonderheiten in der hiesigen
Umgebung z.B. zu Gehöften in Ohndorf, Herrensitzen wie Gut
Richardshoven, dessen Innenhof die Familie Maria und Willi Stollenwerk
freundlicherweise zum Befahren freigaben, zum Schloss in Müddersheim und
zu Burg und Schloss Bergerhausen. Daneben spielten historische Gebäude
in Form von Fachwerkhäusern eine besondere Rolle. Herausragend war nach
Auskunft der Teilnehmer der Besuch bei den Fliegern in Nörvenich, bei
dem das Befahren eines Rollweges für Tempo sorgte und ausgestellte
Flugzeuge, also ein "Tornado" wie auch eine Bücker 131 "Jungmann",
willkommene Objekte für Erinnerungsfotos waren. Daneben bot die
historische Ringstraße mit ihren teils unübersichtlichen Kurven eine
hervorragende Basis zum Ablegen einer Gleichmäßigkeitsprüfung mit einer
Streckenlänge von 5 500 Metern. Die weiteren Sonderprüfungen waren im
Bereich einer Tordurchfahrt in Loersfeld selbst zu bewältigen. Neben dem
historischen Gemäuer stellten hier die in großer Zahl erschienenen
Besucher eine besondere Herausforderung für die Teilnehmer dar, die ihre
Arbeit unter teils fachmännischer Kontrolle stets jedoch unter
Anfeuerung der Zuschauer zu verrichten hatten; manch einer kam dabei
doch ins Schwitzen.
Dem Besucher
selbst bot die Veranstaltung allein mit dem Starterfeld einen guten
Einblick in die Geschichte des Automobilbaus angefangen bei einigen
Morris 8, Ford A, Lagonda, Alvis und Talbot aus den 30er Jahren bis zu
Autos aus den Endsechzigern des 20. Jahrhunderts. So waren sämtliche
Jaguar XK-Typen zu sehen, wie Fahrzeuge von Triumph, Austin- Healey,
Mercedes, Porsche, MG, AC und TVR; nicht zu vergessen Renault, Lancia
und sogar zwei Exemplare der Marke Facel Vega, die ebenso Aufmerksamkeit
erregte wie die historischen Kleinwagen a la Messerschmitt, Glas, Fiat
wie nicht zuletzt die Zweiräder, darunter sogar vier historische
Gespanne. Sie alle verwandelten Schloss Loersfeld für diesen Tag in ein
rollendes Museum von besonderer Klasse, über dass sich der Graf gewiss
gefreut, wie auch über einen Text der die Fahrt begleitenden Broschüre,
der auf die 1957er Mille Miglia und das noble Verhalten von Wolfgang von
Trips, als er großzügig dem älteren Taruffi den Sieg überließ, sich
selbst aber wiederholt der Weltöffentlichkeit als fairen Sportsmann
darstellte, dessen menschliche Qualitäten bis heute unantastbar sind.
So schrieb eine
Dame in einem Leserbrief: „Nicht nur über die Kulisse hätte sich der
Graf gefreut, sondern auch über das noble Understatement …. Benzindämpfe
und das Knattern der Motoren hat die richtigen Antisnobbisten
begeistert….“ Die Dame, Tochter eines ehemaligen Rennfahrers, der von
Trips kannte, begeistert auch uns, hat sie sich doch vorgenommen, für
die kommende Veranstaltung aus Vaters Pokal-Fundus einen Ehrenpreis zu
stiften und mit seinem Bentley 3,5 Litre an der 21. Auflage der
Trips-Fahrt am 17. August 2008 teilzunehmen.
Wir sehen
diesem Termin mit großer Freude entgegen, werden die Einladung
spätestens am 15. Dezember 2007 ins Netz stellen.


Gesamtwertung:
