"Mit dem 37er Legere dabei
3. Graf Berghe von Trips
Gedächtnisfahrt am 5./6. Mai 1990
Als morgens um 7 Uhr der Wecker klingelte,
hätte ich das blöde Ding am liebsten ignoriert. Aber heute war der Tag
meiner ersten Oldie-Rallye und dafür bringt man eben auch Opfer. Also rein
in die Klamotten, den 37er Legere aus der Garage bugsieren und Frank, meinen
Beifahrer, abholen. Der Traction war in Bestform, was man von Frank und mir
nicht gerade behaupten konnte, hatten wir doch am Vorabend eine kleine
Betriebsfeier gehabt, von der Frank den Nachdurst und ich die Kopfschmerzen
mit auf den Weg genommen hatten. Wie sich später herausstellen sollte, war
dies auch so ziemlich alles, was wir mithatten, wollte sich doch Frank um
ein Kartenbrett, eine Stoppuhr und Schreibmaterial kümmern, welches er
schlichtweg vergessen hatte.
Am Rathaus in Kerpen angekommen, wurde unser
Traction vom Kommentator der Rallye fachgerecht vorgestellt und wir bekamen
einen Parkplatz zugewiesen. Nachdem wir unsere Rallyeunterlagen abgeholt
hatten, bewunderten wir die schon geparkten bzw. noch ankommenden Fahrzeuge.
Uns bot sich ein imponierendes Bild. 184 Oldtimer, von denen ich nur einige
nennen möchte, Ford T Touring von 1912, BMW Isetta, Messerschmitt, diverse
Jaguar E und XK, viele Austin Healey und MG´s, Mercedes SL, Porsche 356,
eine ganze Sammlung Rosengart- Fahrzeuge und 4 Tractions waren angetreten,
um den verstorbenen Rennfahrer Graf Berghe von Trips zu ehren.
Beinahe hatten wir die Fahrerbesprechung
vergessen!
Es ging also darum, mit Hilfe einer
Klarsichtfolie, auf der verschiedene Streckenabschnitte aufgezeichnet waren,
die eigentliche Strecke auf einer Straßenkarte aufzuzeichnen, während der
Fahrt auf DK´s (Durchfahrtskontrollen) und SK´s (stumme Kontrollen) zu
achten und, je nach Baujahr, nicht schneller als 18, 20 oder 25 km/h zu
fahren.
Als ich beim Einzeichnen der Strecke (mit
einem geliehenen Textmarker) eine falsche Strecke markierte, beruhigte ich
meinen Beifahrer mit den Worten: "ist nur um die anderen zu verwirren - wir
fahren sowieso einem erfahrenen Rallyeteilnehmer hinterher." Gestartet wurde
von zwei Parkplätzen gleichzeitig - also Startnummer 1 von Parkplatz 1 und
Startnummer 129 von Parkplatz 2. Wir hatten Startnummer 129 und durften
folgerichtig das Feld anführen! Viele Zuschauer säumten die Straße und mein
Beifahrer übersah vor lauter Winken die ersten SK´s, während ich beim Start
vergessen hatte, den Tageskilometerzähler auf Null zu stellen.
Alles in allem die besten Voraussetzungen,
einen Pokal zu gewinnen! Die Strecke führte über kleine Landstraßen zu sechs
verschiedenen Höfen (DK´s) auf denen man Kleinigkeiten wie Äpfel, Getränke
und Erbsensuppe gereicht bekam. Durch den niedrigen Schnitt (20 km/h) hatte
ich die Gelegenheit, ein paar schöne schwarzweiß Fotos zu machen und die
Strecke zu genießen. Kurz vor dem Ziel hielten wir noch einmal am Wegesrand,
da wir vermuteten, doch noch zu schnell gewesen zu sein (geschätzte
Streckenlänge 40-45 km, Fahrzeit 1 Stunde 40 Minuten - eindeutig zu
schnell). So warteten wir noch eine Weile um dann die letzten Meter bis zum
Ziel zu schleichen.
Während die "Renngemeinde" in der
Rathauskantine zu Tisch gebeten wurde, rechneten die Organisatoren die
Strafpunkte zusammen. Mit einer schönen Messingplakette (die bekam übrigens
jeder Teilnehmer), einem 10. Platz in unserer Klasse (von 16 Fahrzeugen) und
der Gewissheit, bei der 4. Graf Berghe von Trips- Gedächtnisfahrt wieder
dabei zu sein, fuhren wir wieder heim.
Unser Dank gilt der Stadt Kerpen und dem
Verein der Heimatfreunde, die diese wirklich schöne Rallye organisiert
haben".
Bis bald
Oskar Gerfertz
