Vorweg
gesagt, Herrn Elan´s größter Schatz ist seine Gattin nebst Familie.
Er selbst
hegt dazu noch einen Schatz, der ideell in seiner Offenheit, Wahrheit,
Liebenswürdigkeit und dem Wissen um Technik und Technikhistorie
besteht.
Der hier
gemeinte Schatz ist dabei nach seiner eigenen Aussage eine
Nebensächlichkeit, wenn er auch zugibt, ein gewisser Besitzerstolz sei
schon vorhanden. Dennoch lebt er dies keineswegs aus, sondern erscheint
bei seinen nicht seltenen Besuchen im Rosengart-Museum häufig mit der
geliebten Quickly oder weiteren Produkten der Marke aus Neckarsulm. Nur
gelegentlich lässt er sich dazu hinreißen, den Rolls-Royce Corniche
Cabriolet, einen Porsche, Mercedes oder Lancia, im Herbst auch einmal in
einem Jaguar aufzutauchen.
Von seinem
automobilen Schatz redetet er dabei nur beiläufig und selten. Noch
seltener allerdings kommt es vor, dass er ihn jemandem vorführt, und
dann nimmt er sich auch genügend Zeit für ausführliche, anregende
Gespräche. Uns, einer Gruppe von sieben Enthusiasten bot "Elan" im
Oktober eine Besuchsmöglichkeit an. Es war überwältigend, nicht allein
die Fülle an Objekten, auch das Wissen des Eigentümers zu jedem Exponat
beeindruckten außerordentlich. Es ist schon als absolute Rarität
anzusehen, wenn ein Privatmann ein paar Dutzend Motorräder besitzt, hier
waren es gleich einige Hundert. Angefangen bei den Fahrrädern mit
Hilfsmotor über die gesamte Produktpalette von NSU mit dem Schwergewicht
auf sämtlichen Stationen zur kleinen Quickly bot sich ein Bild der
technischen Entwicklung bezogen auf die Motorradproduktion in Europa der
1930er bis 1960er Jahre. Hier lag der Schwerpunkt eindeutig auf Motos
aus Deutschland, doch auch ausländische Marken wie z.B. Matchless oder
Sarolea konnte "Elan" in mehreren ausgesuchten Exemplaren, präsentieren,
und alle sahen fabrikneu aus, waren fahrbereit. Hätten wir nicht in
einer Ecke des Schauraumes penibel gefaltete Abdecktücher gesehen, wir
hätten glauben können, uns auf musealem Gelände zu bewegen. Fast alle
vierrädrigen Fahrzeuge zeigen sich wie die Motorräder in gepflegtem
meist fahrbereiten Zustand. Wir stehen vor einem Lancia Appia GT Zagato,
bestaunen die formale Gestaltung, diskutieren über Gasführung beim
kleinen 1090er-V4 als "Elan" fragt, ob es uns erfreuen würde, den Motor
in Aktion zu hören. Als wir bejahen, setzt unser Führer sich hinters
Lenkrad, lässt den Starter nur kurz durchlaufen, bevor das kleine
Triebwerk ruhig und klaglos die Arbeit aufnimmt. Weitere Lancia Ardea,
Aprilia, Appia, Flaminia, Aurelia, darunter eine B10, bis hin zur Fulvia
und Delta könnten ebenso gestartet und sogar nach wenig
Arbeitsaufwand das Tor zur Außenwelt durchfahren.
Daneben
stehen einige markante Porschetypen von 1500er Carrera GT mit dem
äußerst diffizil zu handhaben Königswellen-Motor über weitere 356er bis
zu den Typen mit wassergekühlten Triebwerken. Die weitere Spannweite
umfasst zahlreiche Jaguars, Mercedes, Audis, BMWs aber auch einige
Volkswagen und Opel, dazu unzählige Autos aus der Wirtschaftswunderzeit
vom Goggomobil bis zum BMW 502, Traktoren und andere Nutzfahrzeuge.
"Coup de
théâtre" aber ist für den Berichterstatter ein Wolseley Hornet. Trotzig
steht er in seiner knorrigen Einfachheit neben all den Pretiosen
europäischen Automobilbaus. Er trägt kein Designerkleid, jedes Bauteil
ist zur Funktion unbedingt notwendig, kein einziges Teil dürfte entfernt
werden. So müssen perfekte Fahrzeuge aussehen.
Und dann
wiederholt sich, das was wir zuvor schon mehrfach erlebten. Ein Druck
auf den Starterknopf genügte, und das kleine 6-Zylinder-Triebwerk
beginnt zu arbeiten, läuft ruhig und ohne Nebengeräusche. Man möchte
einsteigen, den ersten Gang des Viergang-Getriebes einlegen und
losfahren. Schade wäre es nur um die Sammlung, ein kleiner aber
wichtiger Bestandteil würde fehlen. Also blieb der Hornet in seiner
gewohnten Umgebung.
Herrn Elan
aber sei gedankt für seine freundliche, informative Führung, die die
Zeit im Fluge vergehen ließ. Zu Wünschen wäre Herrn Elan und seiner
Familie, dass der Wunsch ein Museum einzurichten, bald realisiert werden
möge.
Text: Josef
Krings
Fotos: Willi
Volk